Samstag, 27. Juni 2015

War Starts Here - Seeminen für Völkerverständigung

Die Kieler Woche war wie selten zuvor militärisch ausgerichtet. Ein breites Bündnis aus 30 Organisationen demonstrierte dagegen

Von Lorenz Gösta Beutin

Foto: Pewe/Kieler Arbeiterfotografen


Eine »normale Fachkonferenz« nannte Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK), die »Kiel Conference«, die er mit dem NATO-Exzellenzzentrum für den Ostseeraum während der Kieler Woche durchführte. Doch nicht nur, dass die Ergebnisse der Konferenz vom 23. Juni geheimgehalten werden – auch dass für die logistische Planung der Tagung die Bundeswehr zuständig war, lässt an diesem Charakter zweifeln. So wurde das Kieler Maritim-Hotel als Tagungsort kurzerhand zum Sicherheitsbereich der Bundeswehr erklärt und von Feldjägern geschützt.
In seinem Facebook-Posting zur Kieler Woche begrüßte das ISPK die HMS Ocean, die als britisches Angriffsschiff das »Baltops«-Manöver der NATO anführte. Anders als in den Jahren zuvor wurden vor allem offensive Fähigkeiten geprobt. Unter Beteiligung von Finnland und Schweden, die offiziell neutral sind, wurde nahe der russischen Exklave Kaliningrad ein groß angelegtes Landemanöver durchgeführt. »Baltops« war eine der Militärübungen, die auf der Kieler Woche ihren Abschluss fanden. Der schleswig-holsteinischen Küstenregion kommt verstärkt eine strategische Rolle für die militärischen Planungen im Ostseeraum zu. Immer häufiger sind der Lübecker und der Kieler Hafen Umschlagplatz für Truppenverlegungen ins Baltikum.

Ohnehin war das Volksfest wenig zivil geprägt. Über 50 Kriegsschiffe und 4.500 Soldaten aus NATO-Staaten waren vor Ort, mehr als in den Jahren zuvor. Allein zum »Open Ship« am Eröffnungswochenende strömten 6.000 Interessierte: Mütter und Väter Arm im Arm mit Soldaten, Kinder, die sich von ihren Eltern vor waffenstarrenden Hubschraubern oder Torpedos fotografieren ließen. Krieg als Event für die ganze Familie.

Bei dieser Kriegsbegeisterung mochte das Bündnis »War starts here. Keine Kriegskonferenz in Kiel!« aus 30 Organisationen, Parteien und Gewerkschaften bis hin zur Friedensbewegung und antimilitaristischen Gruppen nicht mitmachen. Nicht nur mit einer Demonstration direkt am Tag der »Conference« mit etwa 450 Teilnehmern, sondern auch mit einer Veranstaltung am 15. Juni an der Kieler Universität, die knapp 80 Gäste besuchten, versuchte es einen Kontrapunkt zu setzen.

Bei der Mobilisierungsveranstaltung stellte Frank Hornschu, Geschäftsführer des DGB in der Region Kiel, einen Beschluss vor, der nicht nur die militärische Ausrichtung und den geschlossenen Charakter der Konferenz von ISPK und NATO-Exzellenzzentrum kritisiert, sondern eine Friedens- und Entwicklungskonferenz an der Kieler Universität anregt. Die Demonstration des Bündnisses am 23. Juni führte vom Gebäude des ISPK zur Zwischenkundgebung am Tagungsort. Die Abschlusskundgebung fand direkt an der Kieler Woche statt, zwischen Riesenrad und Imbissbuden. Dabei waren die Reaktionen der Besucher der Kieler Woche gemischt und reichte von Zustimmung bis hin zu Pöbeleien.

Pointiert fasste Ruben Reid, der sich als studentischer Vertreter für die Einführung einer Zivilklausel an der Kieler Universität stark macht, die Kritik des Bündnisses zusammen: »Die Kieler Woche soll ein Fest der Völkerverständigung sein. Und auf der ›Kiel Conference‹ wird jetzt über den Einsatz von Seeminen gesprochen. Wir finden, dass Seeminen ein schlechtes Mittel der Völkerverständigung sind.«junge Welt 27.06.15

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