Dienstag, 19. Mai 2015

multikulti: Reden, Freunde treffen, Fußball spielen - JuZ, B. Bramstedt

 
Alltag im Jugendzentrum


Von Jann Roolfs


Muammar Erdem (links) und Erwin Blok spielen im Jugendzentrum gerne eine Partie Schach.


Ein Tresen, ein paar Hocker davor, Tische und Stühle im überschaubaren Raum. Pizza und Apfelschorle kosten zusammen im Angebot einen Euro, die Wände sind tiefrot gemalt mit geschwungener Kante auf halber Höhe, ein arabisches Sprichwort darüber. Fenster und Eingangstür gehen zum Bleeck, eine Hintertür führt tiefer in das Haus hinein. Es ist das Bad Bramstedter Jugendzentrum, kurz: Juz.

Am Montagnachmittag ist freie Öffnungszeit. Tischkicker, Billard, Lounge oder der Raum vorne laden ein zum Klönen und Spielen. „Sitzen, Reden, Fußball, Basketball“, damit beschäftigt sich der 14-jährige Yasin Kaya, wenn er hier ist; meistens an den offenen Tagen montags, dienstags und mittwochs. „Ich langweile mich einfach“, darum kommt er her. Beim Reden geht es manchmal auch um die berufliche Zukunft des Siebtklässlers. Er will Tischler werden.

Der Raum vorne ist relativ leer, hinterm Haus dagegen ist Betrieb: Ungefähr zehn Jungs spielen eine Juz-Fußball-Variante. Yasin macht nicht mit: „Der Verlierer kriegt den Ball auf den Hintern, das mag ich nicht.“ Verlierer ist, wer den Ball auf den Boden kommen lässt. Die Regel provoziert artistische Einlagen im Hinterhof, die möglichst stylish aussehen sollen. Die jungen Männer balancieren auf dem Grat zwischen Kindern und Erwachsenen, sie toben ausgelassen umher und bemühen sich dabei, eine gute Figur zu machen. „Ey, hört mal auf, cool zu sein“, schimpft einer zwischendurch, es wird viel gelacht.

Im ersten Stock arbeiten drei junge Leute konzentriert an einem  „Ich bin jeden Tag hier, wenn ich Zeit habe“, sagt Max Rambow. Der 13-Jährige lebt in einer Wohngruppe in Bad Bramstedt, dort soll er seine schulischen Probleme in den Griff bekommen. Heute übt er unter Anleitung von Dustin Hustede, 17, den Umgang mit dem Juz-eigenen Mischpult. „Wir spielen Charts, Club, House, Electro“, zählt Max auf: „Ich bin so der Goa-Fan.“ Mit ihm gemeinsam übt Justin Schröder das Abmischen. Der 16-jährige Justin kommt auch so oft wie möglich ins Juz, hier macht er häufig Hausaufgaben: „Beim Referat wurde mir hier geholfen.“

Erzieherin Julia Ruhstrat und Juz-Leiterin Christine Daue sind die einzigen festangestellen Mitarbeiter in der städtischen Einrichtung. Geholfen wird ihnen von einigen Honorarkräften.

Der 14-jährige Adnan Ozkan kommt „immer, wenn Yasin arbeitet“. Fußball oder Billard: „Hier sind immer so viele Leute, mit denen man das machen kann.“ Yasin Tan ist 17, er jobbt seit anderthalb Jahren als Honorarkraft im Juz am Tresen. Er kennt „so ziemlich alle“, die dort auftauchen, er war schon vor seinem Job regelmäßig im Jugendzentrum. Er spielt auch gern, Schach und Karten zum Beispiel.

Kaan Yesilkaya kommt im Schnitt zwei Mal pro Woche: „Ich hänge hier mit meinen Freunden ab.“ Für ihn ist die Abwechslung im Juz wichtig: „Man kann mal andere Sachen machen als vor der Konsole zu sitzen“, oder vor dem Handy. Reden fällt ihm als erstes ein, dann Fußball und Billard.

Ins Juz kommen überwiegend Jugendliche mit multikulturellem Hintergrund. Die Jüngsten sind 12 Jahre, der Kern ist 16 Jahre alt. Hauptsächlich besuchen Jungs das Zentrum.

Im Erdgeschoss, im Raum mit dem Tresen, sitzen inzwischen Muammar Erdem und Erwin Blok an einem kleinen Tisch: Die beiden 18-Jährigen spielen eine Partie Schach. Der Bramstedter Erwin taucht nur selten im Juz auf: „Ein Mal im Jahr mit einem Freund auf eine Partie Schach.“ Erdem ist „ab und zu hier.“ Heute zum Schach, sonst oft, um Freunde zu treffen.


Das selbst entwickelte Ballspiel ist unter den männlichen Jugendlichen im Jugendzentrum sehr beliebt. Jann Roolfs (2)


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