Samstag, 6. Dezember 2014

neuer Landrat Jan Peter Schröder "Er macht einen hervorragenden Job"

Von Gerrit Sponholz |

 Ein Selbstdarsteller ist Jan Peter Schröder (47) nicht. In Verwaltung, Politik, Verbänden und bei den Bürgern scheint er mit dieser Art gut angekommen zu sein. Auch sein eigenes Zwischenfazit nach 100 Tagen - das ist am nächsten Dienstag - im Amt fällt gut aus: Es läuft.


Bestnoten geben Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur dem neuen Segeberger Landrat Schröder. „Da ist ein anderer Zug in der Kreisverwaltung“, lobt Claus Peter Dieck, Chef der CDU-Fraktion und unterlegener Konkurrent bei der Landratswahl. Schröder kooperiere mit den Parteien, informiere gut. „Er macht einen hervorragenden Job.“


„Er ist sehr fleißig, ich fühle mich mitgenommen“, sagt Edda Lessing, Chefin der SPD-Fraktion. Toni Köppen (Neue Liberale/Piraten) lobt: „Herr Schröder nimmt uns Politiker mit. Das war mit Frau Hartwieg nicht gegeben.“ Schröder arbeite transparent, schnell, routiniert. Linke-Fraktionschef Heinz-Michael Kittler schwärmt: „Er hat alles im Griff.“

„Hochgradig kompetent, effektiv, freundlich“ nennt Katharina Loedige (FDP) Schröders Stil. „Er ist fit im Haushalt, hat ein gutes Händchen mit dem Personal. Insgesamt: Ganz toll!“. „Sehr zufrieden“ ist Arne Hansen, Fraktionschef der Grünen. „Er ist sehr engagiert, sachlich, kommunikativ, transparent. Auch aus der Verwaltung höre ich Positives.“


Bernd Jorkisch, Holzunternehmer aus Daldorf und Vice-Präses der Industrie- und Handelskammer Lübeck, erlebt Schröder „als aufmerksam und interessiert. Er denkt wirtschaftsgeographisch über den Tellerrand hinaus. Das ist gut so.“ Dieter Fiesinger, Leiter der Jugendakademie, sagt: „Er hört zu, nimmt an. Es macht Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten.“
Kreis Segeberg. Das ging schon am ersten Arbeitstag, dem 1. September, los. Noch vor der offiziellen Ernennungsfeier durch den Kreis am Abend nahm ihn der Staatssekretär des Innenministeriums beiseite. Das Land werde in der Kaserne in Boostedt 500 Asylbewerber unterbringen. Ein Großprojekt auch für den Kreis.

Ganz überrascht hatte Schröder das nicht. Die Information war zuvor schon durchgesickert. Denn der Parteilose ist gut vernetzt, auch weil er aus seiner früheren Zeit als Leiter der Segeberger Kommunalaufsicht viele Kontakte hat. Sie ist in jener Kreisverwaltung mit ihren rund 700 Mitarbeitern angesiedelt, die er heute leitet.

Zugute kamen ihm auch zwei Kenntnisse, die er seiner Vorgängerin Jutta Hartwieg (SPD) bei deren Amtsantritt voraus hat: „Ich weiß, wie Verwaltung tickt.“ Und: „Gegen eine Verwaltung zu arbeiten geht nicht.“

Die Übergabe von ihr an ihn habe geklappt, sagt der frühere Geschäftsführer des Landkreistages Mecklenburg-Vorpommern. Das Dienstzimmer im Haus Segeberg sei aufgeräumt gewesen, gemeinsam hätten sie über anstehende Aufgaben gesprochen.

Die Amtsübergabe im Spätsommer war auch ein Persönlichkeitswechsel, von der ideenreichen, kontakt-, experimentier- und redefreudigen Menschenfängerin, mit der in der Kreispolitik manche haderten, hin zum stillen, sachlichen Bürokratieexperten. Also jenem Typ, den sich der Kreistag nach sechs unruhigen Jahren gewünscht hatte. Die kleinen Fraktionen hatten ihn als neutralen Kandidaten neben CDU-Fraktionschef Claus Peter Dieck und SPD-Kandidatin Hartwieg, letztlich siegreich, überraschend aus dem Hut gezaubert. Die großen Parteien hadern nicht mehr mit ihren Niederlagen, sondern attestieren Schröder gute Arbeit.

Themen wie Finanzausgleich, ÖPNV und Flüchtlingspolitik kommen Schröder locker über die Lippen. Den Kontakt zu den Fachbereichsleitern seiner Verwaltung hatte er frühzeitig gesucht. Er macht keinen Hehl daraus, dass er hier und da jemandem auch auf die Füße trete. „Ich bin entscheidungsfreudig. Da ist man nicht immer jedermanns Freund.“ Er lasse sich aber gerne von guten Argumenten überzeugen. „Wenn etwas gut begründet wird, nehme ich es an.“ Und: „Qualität geht vor Schnelligkeit.“ Das gelte auch für den jüngsten Kinderschutzfall in Bad Segeberg, als Mitarbeiter des Kreisjugendamtes offenbar nicht hartnäckig genug sich um das Wohl eines alleingelassenen Kleinkindes gekümmert hatten. Das werde intern überprüft, sagt er. Falls etwas in der Arbeit des Jugendamtes geändert werden müsse, werde es geschehen.

Froh ist Schröder, dass der Kreishaushalt 2015 trotz gekürzter Mittel des Landes wohl wegen sparsamer Haushaltsführung nicht mit einem Minus enden wird – und die 95 Gemeinden und Städte keine höhere Kreisumlage zahlen müssen.

Stolz ist er auf die Bürger, wie sie die geplante Ansiedlung von Asylbewerbern in Boostedt mit großer Hilfsbereitschaft begleiten. Der Kreis selbst nehme freiwillig, wie er betont, 300000 Euro in die Hand, um Asylbewerber besser betreuen zu können.

Schröder hat eine 70-Stunden-Woche. Mindestens einen Tag am Wochenende will er sich aber für sein Privatleben freihalten. In Bad Segeberg habe er sich mit Frau und Tochter schnell eingelebt, sagt Schröder. Landrat will er die sechs Jahre bleiben. Am Ende will er sagen können: Ich habe vernünftige Strukturen erhalten und aufgebaut.


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