Sonntag, 23. November 2014

"Begleitengeln" - Hilfe vor einer ungewissen Zukunft

Über 500 Flüchtlinge vom Balkan, aus Osteuropa, Afrika und dem arabischen Raum wurden 2014 allein bis Ende Oktober im Kreis Segeberg aufgenommen und versorgt. Mehr als 1000 weitere sollen 2015 folgen. Sie einfach ihrem Schicksal zu überlassen, ist nicht möglich.

 
Mit schweren Koffern und Hoffnung im Gepäck ziehen die Flüchtlinge vom Bad Segeberger Bahnhof zur Kreisverwaltung.
© wlz Von Stephan Worlitz |
Kreis Segeberg. Es ist nass und kalt an diesem Morgen auf dem Bad Segeberger Bahnhof, als der Zug aus Neumünster einrollt. Zwischen hastig aussteigenden Pendlern wirkt eine Gruppe in dicken Wintersachen, als bewegte sie sich in Zeitlupe: 20 Männer mit dunklem Teint und schwarzen Haaren, eine Frau mit drei Söhnen. In ihrer syrischen Heimat können sie nicht mehr leben. Nun tragen sie neben Koffern und Tüten die Hoffnung auf eine angstfreie Zukunft mit sich.

Nur wenige Passanten beachten die Ankömmlinge in Bad Segeberg. Sie ahnen nicht, dass sie die Auswirkungen der Bürgerkriege sehen, deren grässliche Bilder Tag für Tag auch die hiesigen Nachrichten bestimmen. Die Menschen, die in Bad Segeberg vom Bahnhof zum Kreishaus laufen, sind vor Terror und Gewalt geflohen und nach einer ersten Station in einer Neumünsteraner Erstaufnahmeeinrichtung im Kreis Segeberg angekommen.

Als erstes treffen sie Ahmad Khahil, den Dolmetscher der Kreisverwaltung. Er spricht Arabisch und hilft den Flüchtlingen im Büro des „Fachdienstes Soziale Sicherheit“ bei der Registrierung. Dort erfahren die Syrer auch, an welchem Ort im Kreis sie in den nächsten drei bis sechs Monaten, in denen ihr Asylverfahren läuft, untergebracht werden.

Bevor die Flüchtlinge per Taxi nach Schackendorf, Leezen, Trappenkamp, Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg oder Norderstedt gefahren werden, erhalten sie einen orangefarbenen Beutel. Ein Willkommenspaket, zusammengestellt von der Segeberger Tafel, vom Sozialkaufhaus Bad Segeberg und vom Wege-Zweckverband. Darin sind Brot, Eier, Konserven, Marmelade, Süßigkeiten, etwas Obst, Besteck, eine erste Übersetzungshilfe und eine Broschüre, die auf Arabisch über das politische System der Bundesrepublik Deutschland informiert.

Dass es damit bei weitem nicht getan ist, weiß man in der Kreisverwaltung. Die Migrationsberatungsstellen und das Diakonische Werk des Kirchenkreises Plön-Segeberg antworten auf diese Herausforderung mit dem Projekt „Begleitengel“. Gesucht werden Männer, Frauen und Jugendliche, die ehrenamtlich in Städten und Gemeinden den Asylbewerbern den Start in die für sie fremde Welt erleichtern sollen. Sie sollen Verständigungsprobleme lösen, beim Einkaufen helfen, Fahrten zum Arzt leisten, bei den Schularbeiten unterstützen oder Tipps zum Energiesparen und zur Mülltrennung geben.

Das Team um Fachdienstleiterin Elke Andrasch wird die „Begleitengel“ in der Anfangsphase anleiten. Sie ist zuversichtlich, mit diesem Konzept, das in ähnlicher Form in Kaltenkirchen bereits erfolgreich praktiziert wird, auch im übrigen Kreisgebiet einiges erreichen zu können. „Ich bin beeindruckt, welch eine große Kompetenz die freiwilligen Unterstützer mitbringen“, sagte sie kürzlich auf einer ersten Zusammenkunft von Interessenten in der Jugendakademie Bad Segeberg.

Dort waren rund 30 potenzielle Mitstreiter aus diversen Berufsgruppen und aus allen Teilen des Kreises Segeberg von Kreisverwaltungsdirektor Dr. Georg Hoffmann begrüßt worden, der ankündigte, dass der Kreis im kommenden Jahr zusätzliche Gelder bereitstellen wird, um unter anderem Deutschkurse für die Flüchtlinge zu realisieren. Denn ein Problem ist, dass Asylbewerber keinen gesetzlichen Anspruch auf derartige Lehrgänge haben.

„Begleitengel“ zu werden, könnte sich Christiane Parkner (66) aus Bad Segeberg vorstellen. „Ich finde, dass man in einer solchen Notsituation, in der sich diese Menschen befinden, etwas tun muss“, sagt sie. Zurzeit kümmert sie sich rein privat um eine Familie aus Afghanistan.

Ansprechpartner für alle, die sich den „Begleitengeln“ anschließen wollen, sind Stadt-, Amts- oder Gemeindeverwaltungen sowie die Kreisverwaltung unter der Telefonnummer 04551/951-573.

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